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Berlin ist weit weg
Peter Minuit aus Wesel segelte über
den Atlantik und gründete Neu-Amsterdam, das heutige New York.
Anarchasis Cloots aus Kleve machte Revolution in Paris, legte sich mit
Robespierre an und landete unter der Guillotine. Gustav René Hocke aus
Viersen zog nach Rom und erforschte den europäischen Manierismus. Willy
Maywald aus Kleve ging nach Paris und photographierte Picasso, Chagall ,
Miró und schöne Frauen in Kleidern von Dior. Hans Jonas aus Mönchengladbach
flüchtete nach Palästina, später in die USA und schrieb über das
"Prinzip Verantwortung". Elmar Tophoven aus Straelen übersetzte
in Paris Becketts "Warten auf Godot" ins Deutsche. Peter
Lindbergh aus Rheinhausen photographiert die schönsten Frauen der Welt
– auch er in Paris.
Der Niederrheiner schaut nach Westen, auch nach Süden, jedenfalls nicht
auf Berlin. Berlin ist Provinz, kurz vor Polen. Mag Berlin auch jetzt
Hauptstadt sein, der Niederrhein bleibt, was er ist.
Aus Berliner Sicht der Arsch der Welt vermutlich. Aber näher dran am
Wesentlichen. Entschieden wird sowieso in Brüssel. Und der Papst wohnt
in Rom. Lagerfeld in Paris. Aus dem Osten kam sowieso noch nie was
Gutes. Preußische Schulmeister prügelten niederrheinischen Kindern die
Muttersprache aus dem Leib. Gut, dass in Venlo alle Deutsch sprechen.
Das erleichtert den Einkauf. Das Preußen-Museum steht jedenfalls, wo es
hingehört: rechtsrheinisch, in Wesel. Jenseits des Limes.
Niederrhein: Peripherie und Zentrum zugleich. Nationalstaatlich gesehen:
Peripherie. Aber: Zentrum der deutschen Sauerkrautproduktion. Zentrum für
provinzialrömische Archäologie. Zentrum der Krawattenherstellung,
Zentrum des deutschen Braunkohlebergbaus und Güterverkehrs. Zentrum der
Marienverehrung, Zentrum für Bildende Kunst. Ganz zentral, zwischen
Holland und Ruhrgebiet. Wofür ist Berlin das Zentrum?"
aus dem Internet-Angebot "Kulturraum
Niederrhein, Rubrik "Die
Region"" (übernommen am 01. Febr. 2004)
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