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Cleve. Schloßthor mit Schwanenthurm.
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Der alte Rhein bei Cleve.
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Schloß in Cleve.

Rheinfahrt.

Von den Quellen des Rheins bis zum Meere.

Schilderungen

von Karl Stieler, H. Wachenhusen, F. W. Hackländer

Stuttgart 1875, Seite 414 (Reprint Hannover 2002)

"... Überhaupt sind wir hier an der Grenze der Niederlande wieder in sagen- und märchenreiches Gebiet eingetreten, zu welchem Zweck als passende Illustration sich die flache Rheingegend hier bei Cleve noch einmal zu stattlichen Höhenzügen erhoben hat, die mit reizenden Anlagen, Gärten und Villen, hübsche Spaziergänge bildend, die Stadt umgeben und sich bis zu dem alten, prächtigen Reichswalde hinziehen, dessen mächtige Bäume, riesige Eichen und Buchen nicht nur den Spaziergängern Schatten geben, sondern auch heute noch das Andenken an die anmuthige Sage von Otto dem Schütz bergen.

Doch unwillkürlich erhebt sich unser Blick zu jenem mächtigen Bauwerke, das die Stadt überragt, dem Schwanenthurm. Und in Gedanken lauschen wir dem Flüstern des Windes und dem Knarren des Schwanes, der ihm als Wetterfahne dient, um hier an der Grenze des deutschen Landes noch eine der Schönsten von all den Sagen zu hören, die wie eine anmuthige Girlande dem Laufe des Rheines folgen: die Sage des Ritters Lohengrin, wie sie uns Wolfgang Müller von Königswinter so einfach und schön erzählt.

Cleve ist eine hübsche, freundliche Stadt, die ihrer Ruhe und Wohlfeilheit wegen gerne von Solchen aufgesucht wird, die ein müh- und arbeitsvolles Leben hinter sich haben und sind es von Fremden, Die Cleve besuchen, besonders Holländer, welche an den reizenden Hügeln um Cleve mit ihren schattigen Wäldern und hübschen Thälern, Schönheiten der Natur suchen und finden, die ihnen die Einförmigkeit ihres flachen Landes nicht zu bieten vermag.

Das Rheindelta breitet sich jetzt unabsehbar vor unsern Blicken aus, während wir bei Emmerich, der freundlichen Rheinstadt, wo sich der Einfluß holländischen Wesens schon ganz besonders geltend macht, vorüberdampfen. Die Fähre mit ihren durch Ketten verbundenen Kähnen fluthet in behaglicher Langsamkeit von einem Ufer zum anderen und während wir am Ufer zahlreiche Schiffe sehen, deren Flaggen die holländischen Landesfarben zeigen, hören wir vom alten grauen Thurm der Münsterkirche lustiges Glockenspiel wie ein fröhliches Willkommen der Niederlande.

Doch wollen wir hier, an der äußersten Grenze des deutschen Vaterlandes, wo nur eine versumpftes Rheinstück - der halbvertrocknete Oude Rhyn, alter Rhein - schon einen Vorgeschmack gibt, wie mit dem Namen des schönsten deutschen Flusses verfahren wurde, noch eine Blick zurückwerfen auf die vor unseren Augen verschwindende Stadt des Schwanenritters, und wenn sie uns der Zeichner statt im Schmuck der Bäume in einer Schneelandschaft zeigt, so hat er vielleicht dabei die löbliche Absicht, uns durch dies ernste winterliche Bild den Abschied von den heimathlichen Rheinufern zu erleichtern...."

zuletzt bearbeit am 29.07.2006