Voltaire (im Alter von 42 Jahren) - Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin-Nikolassee

zu Voltaire siehe auch:

"Klassiker der Weltliteratur"

Voltaire über Kleve, 1750:

"Die natürlichen Reize dieses sehr schönen Orts, die sich aus seiner Lage ergeben, sind durch kunstvolle Anlagen noch erhöht worden. Die Fernsicht ist dem Ausblick, den man in Meudon hat überlegen. Das Gelände ist bepflanzt wie die Champs Elysées und der Bois de Bologne. Eine sanft abfallende Hügelkette ist mit Alleen überzogen. Ein großes Becken nimmt die Wasser dieser Hügel auf. In der Mitte des Beckens erhebt sich eine Statue der Minerva. Das Wasser des ersten Beckens wird aufgefangen in einem zweiten und von dort in ein drittes Becken geleitet. Den Fuß des Hügels schließt eine Kaskade ab, die in einem Halbrund einer großen Grotte angebracht ist. Das Wasser der Kaskade fällt herab in einem Kanal, der eine weite Ebene bewässert und sich dann mit einem Rheinarm verbindet. Aber ich als Historiograph sage Euch nur, dass ein gewisser Prinz Mauritz von Nassau, zu seinen Lebzeiten Gouverneur dieser schönen Solitude, hier fast alle diese Wunder schuf. Er ließ sich inmitten der Waldungen bestatten in einem großen Ungetüm von eisernem Grabmal, das umgeben ist von den allerprimitivsten Reliefs aus der Zeit der Dekadenz des römischen Imperiums und von einigen gotischen Monumenten, die noch plumper sind. Aber das Ganze wäre etwas Respektables für diese tiefgründigen Geister, die beim Anblick eines schlecht behauenen Steins in Ekstase fallen, sofern er nur zweitausend Jahre alt ist. Das Wasser indessen ist ebenso gut wie dasjenige von Spaa und Forges, und man kann die kleinen Eisenatome an keinem schöneren Ort hinunterschlürfen."

zuletzt bearbeit am 06.02.2004