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Welt
am Sonntag vom 20. August 2006
Glückwunsch,
Nordrhein - Westfalen
Vor
60 Jahren wurde das bevölkerungsreichste Bundesland gegründet.
... (Auszug)
von
Melanie Bergs und Andreas Fasel
Niederrheiner
Dieser Typus ist sehr anspruchslos: Der Niederrheiner ist still,
er braucht den freien Blick über das flache Land und den freien
Blick auf den niederrheinischen Himmel. Dabei weiß er die
Schönheiten anderer Länder durchaus zu würdigen. Und wenn er
wieder zurückkommt, sagt der Niederrheiner: „Ne, wat war dat
schön. Aber wohnen möcht' ich da nich'."
Der
Niederrheiner ist Traditionalist, am liebsten hält er sich an
ungeschriebene Gesetze: Bei Familienfeiern darf die
Verwandtschaft nicht zum Kaffee-Einschenken missbraucht werden,
das müssen die Nachbarn machen. Und wehe, man hält sich nicht
daran, dann heißt es: „Dat hat et früher nich gegeben."
Und zehn Jahr danach heißt es: „Da war doch mal wat!"
Überhaupt
ist der Niederrheiner misstrauisch, skeptisch. Vor allem
Zugezogenen gegenüber: Wer is dat denn? Wo kommt der denn her?
Und die Frau? Aber wenn diese Fragen geklärt sind, dann sei der
Niederrheiner „richtig nett, zuverlässig und
hilfsbereit", sagt der Mundartsprecher Stelten Karl aus
Hünxe. Nur an die Enge des benachbarten Ruhrgebiets kann sich
der echte Niederrheiner nie gewöhnen: „Dat is nich meine
Welt." |